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Steirisches Kürbiskernöl: Vom grünen Gold der Steiermark

Weit über die Österreichischen Grenzen hinweg ist die Steiermark bekannt für ihr Kürbiskernöl, welches auch als „Grünes Gold“ bezeichnet wird. Das dunkelgrüne, im Licht auch leicht rötlich schimmernde Kürbiskernöl duftet fein nussig, ist intensiv im Geschmack und dient als kulinarisches Aushängeschild der Region. Galt es früher als „arme Leute Öl“ so ist es heute bei Feinschmeckern vor allem in Salaten, Kürbiscremesuppe oder Eierspeisen beliebt. Die Entstehung des Kürbiskernöls ist eng mit der Geschichte der Steiermark verbunden. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Öl der Kürbiskerne gepresst, damals noch aus beschalten Kernen, die während der Wintermonate in mühsamer Handarbeit geschält wurden. Vor ungefähr 100 Jahren begannen steirische Bauern weichschalige Sorten anzubauen, aus denen sich schliesslich der Steirische Ölkürbis mit seinen schalenlosen Kürbiskernen gezüchtet wurde. Dies ist übrigens der einzige Kürbis der über 600 Sorten weltweit, bei denen die Kerne keine Schale haben! Seit 1998 haben sich die Kürbiskernproduzenten und Ölmühlen zum Erzeugerring „Steirisches Kürbiskernöl g.g.A.“ zusammengeschlossen, um den Herkunftsschutz gemeinsam umzusetzen. Die Bedingungen für eine Zertifizierung sind streng: als Kürbissorte darf nur der echte steirische Ölkürbis verwendet werden, das Anbaugebiet muss in der Steiermark, zwei Bezirken im Südburgenland oder 7 Bezirken im Weinland liegen, die Ölmühle muss in der Steiermark stehen und die Ölmühle muss nach traditionellen Methoden arbeiten.

2,5 kg (über 11´000 Stück) getrocknete Kürbiskerne von rund 30 bis 50 Kürbissen braucht man für 1 Liter Kürbiskernöl. Jede Flasche Steirisches Kürbiskernöl wird mit einer Banderole und individuellen Kontrollnummer versehen. Doch bevor man das fertige Produkt geniessen kann, steht eine Menge Arbeit. Pro Hektar werden im Frühjahr ca. 18´000 Kürbiskerne gesetzt. Der Boden muss zur Keimung etwas erwärmt sein, weshalb die Aussaat in der Regel zwischen Mitte April und Anfang Mai stattfinden kann. Während der Hauptblüte Mitte/Ende Juni sieht man an den Kürbissen auf den ersten Blick nur die männlichen Blüten, die weiblichen sind runder und liegen weiter unterhalb. Die Bestäubung findet durch Bienen, Hummeln und andere Insekten statt. Pro Pflanze wird im Durchschnitt im Zeitraum von Anfang bis Mitte September nicht einmal eine Frucht geerntet, das Fleisch des Kürbis bleibt dabei auf dem Feld zurück und zerfällt innerhalb weniger Tage. Die Kerne werden für ca. 15 Stunden bei 45 – 60 °C getrocknet, ein Kürbis ergibt übrigens ca. 60 – 70 Gramm Ernte. Zunächst werden die getrockneten Kürbiskernen, die zu 50 % aus Öl und Fett sowie zu 15 – 20 % aus Eiweis bestehen, gemahlen. Anschliessend wird der Masse warmes Wasser uns Salz beigefügt, bevor sie in einer Röstpfanne bei ca. 85 – 95 °C geröstet wird. Jeder Kern hat übrigens seine Eigenheiten, weshalb dieser Vorgang nicht automatisiert werden kann und vom Ölschläger ständig überwacht werden muss. Weiter wird die Masse durch eine Seierpresse gepresst und das eigentlich schon fertige Öl für ein paar Tage stehengelassen, damit sich Schwebstoffe absetzen können. Das klare Öl wird nach ca. zwei Wochen abgefüllt. Früher galt das Kürbiskernöl übrigens als „arme Leute Öl“, denn der Kürbis diente vor allem als Futterpflanze für Schweine. Ein wichtiger Hausfrauentipp noch zum Schluss: ist das Öl aus Versehen auf der Kleidung oder einem Stoff gelandet, diesen einfach an die Sonne hängen, denn diese bleicht den Fleck in wenigen Stunden aus.

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Derzeit gibt es übrigens ca. 50 Ölmühlen in der Steiermark, von denen wir zwei ganz unterschiedliche besichtigen durften:

Ölmühle Harlieb

Die Ölmühle Harlieb besteht bereits seit über 100 Jahren. Wurde sie damals noch als kleiner Nebenerwerb für die Wintermonate neben der Getreidemühle und dem Sägewerk betrieben, ist sie heute ein Besuchermagnet mit moderner Ölmühle, Museum und grossem Verkaufsangebot. Die Getreidemühle wurde Mitte der 60er Jahre stillgelegt, das Sägewerk war bis 2006 in Betrieb. Früher wurde nur Kürbiskernöl hergestellt, heute gibt es insgesamt 25 reinsortige, naturbelassene Öle. Neben traditionellen Sorten wie Rapsöl und Walnussöl sind heute auch aussergewöhnlichere wie Pinienkernöl und Marillenkernöl mit im Portfolio. In der Ölmühle werden Jährlich ca. 200 Tonnen Kürbiskerne gepresst, 2/3 davon stammen von den Bauern der direkten Umgebung. Die Herstellung läuft über das ganze Jahr denn sind die Kerne erst einmal getrocknet, kann man sie für ca. 1-2 Jahre bei einer Temperatur von unter 15 °C lagern. Der Betrieb wurde vom Urgrossvater gegründet, heute arbeiten 8 Mitarbeiter Vollzeit in der Ölmühle.

Ferien und Kürbishof Majczan

Etwas versteckt in der idyllischen Natur um Bad Radkersburg gelegen findet man den Ferien und Kürbishof der Familie Majczan. Als der am häufigsten ausgezeichnetste Kernölbetrieb Österreichs findet man hier vor allem eines: Viel Liebe zu Kürbissen und zu qualitativ extrem hochwertigem Kürbiskernöl, welches in der eigenen kleinen Ölmühle produziert wird. Zudem gibt es regionale Köstlichkeiten wie Weine (den Heckenklescher oder auch „Steirischen Uhudler“ – einen wilden Wein der nicht gespritzt wurde – muss man unbedingt probiert haben!), Kürbislikör, Honig oder Marmelade. Die Familie pflanzt auf ca. 15 Hektar Kürbisse an, die Mühle ist seit ca. 35 Jahren in Betrieb und produziert ca. 4´000 Liter Öl pro Jahr. Besonders möchte ich aber noch auf die Eierspeise von Josef Majczan eingehen, die, natürlich, mit Kürbiskernöl hergestellt wird. Ein absoluter Traum!

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