BayfairDrive

Holland hautnah: Mit dem Hausboot unterwegs

„Was, um Himmels willen, habe ich mir nur dabei wieder gedacht“ schiesst es mir durch den Kopf, als unser Boot quer zur Fahrt- oder besser gesagt Flussrichtung vor einer Brücke treibt und der Brückenwärter schon ungeduldig mit seinem Holzschuh für die Brückennenutzungsgebühr klappert. Ein Erlebnisurlaub sollte es sein, nicht nur 10 Tage im Hotel sitzen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, sondern auf eine – in der Beschreibung hiess es „ursprüngliche und entspannte“ Art, die Schmuckstücke Hollands erleben. Und was die Landschaft und die Natur angeht haben sie absolut nicht zu viel versprochen. Aber nun von Anfang an.

Eine Hausbootfahrt ist nichts für Luxusliebhaber. Auch wenn je nach Budget wirklich tolle Boote gemietet werden können, es bleibt doch eine Art Campingurlaub mit Stil. Zwar mit Gasherd und Kühlschrank, fliessendem heissem Wasser und Heizung sowie Radio und Strom für das Aufladen der modernen Kommunikationsgeräte, aber dennoch auf eine sehr bodenständige Art – was ganz ehrlich in unserer heutigen Luxuswelt aber einmal gar nicht so schlecht ist. Entschädigt wird man auf jeden Fall durch die beeindruckenden Panoramen, die einen morgens nach dem Aufwachen, unterwegs mit dem Schiff oder abends bei einem Gläschen Wein auf der Terrasse des Schiffs erwarten: Zurück zur Natur! Da wird man von einer Horde junger Graugänse gegrüsst, die definitiv nur Unsinn im Kopf haben, auf der anderen Flussseite hoppeln Hasen, in der Ferne kann man einen Kuckuck hören und das Boot schaukelt sanft mit den Wellen. Und diese Momente sind es doch, die einen mit sich und der Welt absolut im Reinen sein lassen.

Das Boot lässt sich recht einfach steuern und man benötigt auch keinen extra Führerschein dafür (auch wenn ich jedem eine Stunde Einführung bei einem Kapitän seiner Wahl auf einem gemütlichen Schweizer See wärmstens empfehlen würde). Es gibt einen Gas- oder Schubhebel für vorne und zurück, ein Steuerrad, einen Anlasser, zwei Knöpfe für den Bugmotor und eine Hupe. Also für jeden, der schon einmal ein anderes motorisiertes Fahrzeug bedient hat, eigentlich kein Neuland. Bei einer kurzen Einführung bekommt man alle Details gezeigt und schnell wird klar: das Fahren ist nicht das Problem, aber wie bitte bremst man ein 10 Meter langes Schiff ohne den Anker zu werfen (was übrigens in den Kanälen Hollands verboten ist)? Und wie noch gleich legt man an einem Steg an, ohne dass die Besatzung erst einmal eine Runde ins Wasser muss, um schwimmend die Taue an Land zu bekommen? Und, auch schön und mein bisheriges Highlight, wie bleibt man eigentlich zwischen zwei Brücken zumindest relativ gerade im Wasser stehen, ohne dass einen der Wind zur Seite drückt? Mit diesen und anderen, für den geübten Seefahrer absoluten Kleinigkeiten, ist man also die ersten Stunden an Bord beschäftigt, nach zwei Tagen sind die grössten Startschwierigkeiten aber überwunden und man kann sich ganz auf die Natur und das Fahrtgefühl einlassen.

Von unserem Anbieter haben wir zwei Touren vorgeschlagen bekommen: die erste etwas kürzere in den Norden (vom Heimathafen Loosdrecht über Amsterdam nach, Edam, Alkmaar und Zaanstad zurück nach Amsterdam und Loosdrecht), die zweite ein bisschen längere und angeblich spannendere in den Süden Hollands (Ausgangspunkt ist wieder Loosdrecht, weiter nach Amsterdam, Woerden, Gouda, Oudewater, Utrecht und zurück nach Loosdrecht). Pro Tag bedeutet das ca. 6 Stunden Fahrt durch Flüsschen und Kanäle. Man hat die Möglichkeit, Velos mit an Bord zu nehmen, was ich nur empfehlen kann. Die holländische Landschaft ist bezaubernd, extrem flach und damit ideal geeignet für einen Veloausflug. Bei den Landgängen kann man zum einen Einkäufe oder Stadtbummel in den kleinen Städtchen rund um die Route machen, zum anderen aber auch die Landschaft aus einem anderen Blickwinkel erleben und mit den Einheimischen in Kontakt kommen, was im Übrigen sehr einfach wird. Die Holländer sind allgemein gesagt ein sehr herzliches und offenes Volk, die jeden ansprechen der aussieht, als hätte er gerade Zeit für ein Pläuschchen oder als würde er Hilfe benötigen.

Würde ich es wieder machen? Ja, absolut in ein paar Jahren. In meinen nächsten Ferien werde ich allerdings aufs Kapitän-sein verzichten und mich durch die Gegend schippern lassen. More to come 🙂

5 Kommentare zu “Holland hautnah: Mit dem Hausboot unterwegs

    1. Franzy

      Sehr gerne! 🙂 Es ist absolut eine Erfahrung wobei ich wirklich jedem nochmals nahe legen kann, sich vorher schon einmal mit dem Führen eines Bootes vertraut zu machen. Einführung ist nämlich nicht wirklich 🙂

  1. miesvandenbergh

    Hast Du noch die Orte zu den schönen Bildern? Wäre interessant, es sieht schön aus. Friesland, die klassische Region für solche Aktiv-Urlaube kenne ich durch unzählige Fahrten, den Süden noch nicht…. LG Mies

    1. Franzy

      Liebe Mies
      die Bilder sind alle auf unserer Route von Loosdrecht, weiter nach Amsterdam, Woerden, Gouda, Oudewater, Utrecht und zurück nach Loosdrecht entstanden. Also alles eigentlich in einem recht kleinen Gebiet rund um Amsterdam. Ich hoffe, das hilft dir weiter?
      Liebe Grüsse
      Franzy

      1. miesvandenbergh

        Hallo Franzy, Danke für Deine Antwort, ich habe nicht erwartet, dass Du jedes Foto mit Ort versehen hast, es ist schön, dass Du die Orte noch weißt. Da kann ich mich informieren. Vielen lieben Dank.
        🙂 Mies

Kommentar verfassen